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AI LAB ModLearn Technology Lab Für Lehrpersonen

Die gestuften Hilfen

Für Lehrpersonen: Woher das Modell kommt, was in jeder Stufe passiert, was die Anwendung technisch ausschließt, und warum die Einstellung nur Tipps etwas anderes ist als eine abgespeckte Fassung von bis zur Lösung.

1. Das Problem, das die Stufung löst

Ein Chatbot, der eine Aufgabe löst, nimmt dem Kind genau den Denkschritt ab, um den es in der Aufgabe geht. Die Hilfe wirkt freundlich und ist trotzdem im Weg. Umgekehrt hilft es niemandem, Hilfe grundsätzlich zu verweigern: Ein Kind, das nicht weiterkommt und keine Unterstützung bekommt, hört auf.

Die Mathematikdidaktik behandelt das nicht als Ja-oder-Nein-Frage, sondern als Frage des Maßes. Hilfe wird in Stufen gedacht, die inhaltlich immer mehr vorwegnehmen. Man beginnt mit der schwächsten Form und geht erst weiter, wenn sie nicht gereicht hat. Diese Einteilung geht auf Friedrich Zech zurück und ist in der deutschsprachigen Didaktik eingeführt (Zech 2002).

Der entscheidende Gedanke: Nicht die Menge der Hilfe ist das Problem, sondern ihre Reihenfolge. Wer mit Stufe 5 beginnt, hat vier Lerngelegenheiten übersprungen.

2. Die fünf Stufen im Einzelnen

Zu jeder Stufe steht, was sie tut und was die Anwendung technisch ausschließt. Das Ausschließen ist kein Beiwerk: Der Auftrag an das Sprachmodell enthält immer genau eine Stufe und nennt ausdrücklich, was verboten ist. Ohne diese Verneinung rutscht ein Sprachmodell verlässlich eine Stufe zu weit.

  1. Motivationshilfe. Bringt die Situation der Aufgabe nahe: erklärt unbekannte Wörter, sagt worum es geht und wen das angehen könnte, macht Mut. Enthält die Angabe gar keine Frage, spricht die Anwendung das ausdrücklich an – sie prüft das selbst und verlässt sich nicht darauf, dass es dem Modell auffällt. „Eine Schulbibliothek ist ein Raum in der Schule, wo man Bücher ausleihen kann. Hier steht übrigens gar keine Frage – was könnte man denn wissen wollen?“ Ausgeschlossen: rechnen, Rechenweg, Strategie, Ergebnis, und sagen, was herausgefunden werden soll.
  2. Rückmeldungshilfe. Meldet zurück, was am Versuch trägt und wo er nicht aufgeht. Sie setzt voraus, dass das Kind etwas probiert hat – deshalb verlangt die Anwendung zwischen zwei Stufen einen eigenen Beitrag. Schreibt ein Kind, es verstehe die Aufgabe nicht, ist genau das sein Versuch, und der unklare Teil wird erklärt. „Du hast 6 plus 8 gerechnet. Es sind aber 6 Packungen mit je 8 Stiften – schau dir das ‚je‘ noch einmal an.“ Ausgeschlossen: den richtigen Weg verraten, den nächsten Rechenschritt nennen, vorrechnen, das Ergebnis nennen, und die gesuchte Größe benennen.
  3. Allgemein-strategische Hilfe. Schlägt eine Denkweise vor, die bei vielen Aufgaben trägt, ohne sie auf diese anzuwenden. Das ist die Stufe mit dem größten Übertrag: Was hier gelernt wird, hilft bei der nächsten Aufgabe wieder. Die vorgeschlagenen Denkweisen stammen aus der Heurismen-Tradition (Pólya 1949; Rott et al. 2023). „Was ist gegeben, was ist gesucht? Manchmal hilft eine Skizze, oder die Aufgabe mit kleineren Zahlen durchzuspielen.“ Ausgeschlossen: die Strategie auf diese Aufgabe anwenden, deren Zahlen verrechnen, die gesuchte Größe benennen.
  4. Inhaltsorientiert-strategische Hilfe. Wendet die Strategie auf genau diese Aufgabe an und nennt den nächsten Schritt – als Frage, nicht als Rechnung. Ab hier wird die Hilfe aufgabenspezifisch und verliert den Übertrag auf andere Aufgaben. „Wie viele Stifte sind in einer Packung?“ Ausgeschlossen: diesen Schritt ausrechnen, weitere Schritte nennen, das Ergebnis nennen.
  5. Inhaltliche Hilfe. Rechnet Schritt für Schritt vor und nennt das Ergebnis. Sie beendet die Aufgabe, statt beim Lösen zu helfen. Vor dieser Stufe fragt die Anwendung ausdrücklich nach – sie kommt nur auf Bitte des Kindes und nicht, weil jemand fünfmal auf denselben Knopf getippt hat. „8 mal 6 ist 48. Es sind also 48 Stifte.“

3. Zwischen den Stufen arbeitet das Kind

Nach jeder Stufe unter 5 steht ein Arbeitsauftrag und ein Eingabefeld. Ohne eigenen Beitrag gibt es die nächste Stufe nicht. Das ist kein Gängeln, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Modell überhaupt funktioniert: Die Rückmeldungshilfe braucht einen Versuch, auf den sie sich beziehen kann. Ohne diesen Schritt wird aus gestuften Hilfen eine Folge von Ansagen, die man wegklickt.

Die Aufträge sind stufengerecht. Nach Stufe 1 lautet er „Was glaubst du, was man hier herausfinden soll?“ und nicht „Was ist gegeben, was ist gesucht?“ – die zweite Frage ist die Arbeit von Stufe 3 und würde sie vorwegnehmen.

4. Die beiden Einstellungen

nur Tipps – Schluss nach Stufe 3

Das Kind bekommt Ermutigung, eine Rückmeldung zu seinem Ansatz und eine übertragbare Denkweise. Die Strategie wird nicht auf die Aufgabe angewandt, es wird nichts gerechnet. Der eigentliche Rechenschritt bleibt beim Kind.

Das ist keine abgespeckte Fassung, sondern eine andere Absicht. Die Stufen 1 bis 3 sind genau jene, die über die einzelne Aufgabe hinausweisen: Was ein Kind hier lernt, kann es beim nächsten Mal wieder anwenden. Die Stufen 4 und 5 sind aufgabenspezifisch und helfen nur hier. Wer bei 3 aufhört, schneidet also nicht das Ende weg, sondern behält den übertragbaren Teil und lässt den einmaligen aus. Für Unterricht und Übungsphasen ist das die passende Einstellung.

bis zur Lösung – alle fünf Stufen

Zusätzlich der nächste Schritt als Frage und, wenn auch das nicht reicht und das Kind ausdrücklich darum bittet, die vorgerechnete Lösung. Sinnvoll, wenn ein Kind allein übt und sonst niemand da ist: Dann ist eine erklärte Lösung besser als Abbrechen oder Abschreiben.

Auch hier gilt die Reihenfolge. Ein Kind, das mit „bis zur Lösung“ arbeitet, bekommt die Lösung nicht sofort, sondern nach vier Stufen mit jeweils eigenem Beitrag – und nach einer ausdrücklichen Rückfrage.

5. Wenn die Stufen aus sind

Das Gespräch endet nicht mit der letzten freigegebenen Stufe. Ein Kind kann weiter fragen, was ein Wort bedeutet oder warum etwas so ist. Die eingestellte Obergrenze gilt dabei unverändert weiter: Bei „nur Tipps“ bleibt auch eine freundlich formulierte Bitte um die Lösung erfolglos, ausdrücklich auch andeutungsweise und auch als Beispiel mit anderen Zahlen. Sonst wäre die Rückfrage der Schleichweg um genau die Einstellung, die Sie getroffen haben.

6. Warum die Lehrperson die Grenze setzt

Ein Kind unter Zeitdruck wählt die höchste Stufe. Das ist kein Vorwurf, sondern erwartbar. Wenn die Obergrenze bei der Lehrperson liegt, entscheidet die Person über das Maß der Hilfe, die den Unterrichtszusammenhang kennt und weiß, worum es in dieser Stunde geht.

Technisch entscheidet die Anwendung, welche Stufe erlaubt ist, nicht das Sprachmodell. Der Auftrag an das Modell enthält immer genau eine Stufe. Ein Modell, das man höflich bittet, die Lösung zurückzuhalten, tut das irgendwann nicht mehr – deshalb wird nicht gebeten, sondern die Möglichkeit gar nicht erst eröffnet.

7. Offene Fragen für die Erprobung

Das ModLearn Technology Lab erprobt diese Anwendung, es liegen dazu noch keine eigenen Ergebnisse vor. Untersucht werden sollen unter anderem:

Zum Stand der Forschung über adaptive Hilfen beim Problemlösen siehe Herold-Blasius et al. (2025); zu den Nutzungsweisen von Kindern beim Einsatz von KI Kriegel und Baumanns (2026).

Literatur

Die Angaben stammen aus den Projektunterlagen des ModLearn Technology Lab und sind dort mit dem Vermerk versehen, sie vor der Verwendung zu prüfen; bei Zech betrifft das die Auflage.